Mal quergedacht...

Fundraising  für kleine Non-Profit-Organisationen mit großen Visionen

Im Rahmen einer öffentlichen Anhörung zählt der polizeibekannte Anführer einer Norddeutschen Motorradgang, dem unter anderem räuberische Erpressung vorgeworfen wird, die gemeinnützigen Institutionen auf, die sein Motorradclub regelmäßig mit beträchtlichen Spenden unterstützt. Wohlfahrtsverbände, ein Kinderhospiz und viele kleine soziale Einrichtungen befanden sich auf seiner Spendenliste. Die Frage, die sich einem Fundraiser hierbei aufdrängt, ist: Wie stehen die Einrichtungen dazu? Wird die Herkunft des Geldes intern thematisiert oder ignoriert? Eine der verhängnisvollsten Wirkungen, die der fragwürdige Spender in der öffentlichen Wahrnehmung erzielt, ist die Schlussfolgerung, er tue ja auch etwas Gutes. Fatal, da sich genau mit diesem Kniff gerne öffentlich reingewaschen wird. Exakt an diesem Punkt wird es für den Fundraiser, welcher Kraft seines Amtes für Moral, Ethik und Integrität steht, anspruchsvoll. Wo genau kommen die Spendengelder her? Wann beginnt man das System „der Zweck heiligt die Mittel“ mitzutragen? Dieses wohl schwierigste Thema im Fundraising wird nach wie vor ängstlich umschifft oder im tendenziell gereizten Ton diskutiert. Und doch müssen wir, die wir täglich Spendengelder akquirieren, uns mutig dieser Frage stellen. Kein Kongress, kein Vortrag, der nicht das transparente Handeln einer sozialen Einrichtung zum Thema hat. Spendensiegel, öffentlich zugängliche Geschäftsberichte und weitere Instrumente werden erörtert. Die Frage nach der Herkunft der Spendengelder bleibt hierbei oftmals unangetastet oder wird mit der jovialen Erklärung „keine Gelder von Diktaturen – keine Gelder aus dem Waffenhandel“ beendet. Was aber, wenn die Gelder aus Unternehmen kommen, die bekannt sind für den bedenklichen Umgang mit ihren Mitarbeitern? Was, wenn ein Konzern unzählige Arbeitsplätze abbaut, Gratifikationen streicht, zeitgleich generös soziale Einrichtungen zu Weihnachten bedenkt und sich im positiven Glanz der Presse sonnt? Was, wenn die Gelder aus nicht eindeutigen Quellen kommen? Wenn wegen Drogenmissbrauch verurteilte Künstler ihr Image medienwirksam auffrischen, indem sie Mutter-Kind-Einrichtungen finanziell unterstützen? Man könne alles dramatisieren, ist eine anzutreffende Haltung, wenn es um die ethische Frage der Geldquellen geht oder der Hinweis, man könne doch nicht alles bis ins Detail hinterfragen – es gehe doch auch um den Fortbestand der Einrichtung, eine weitere, nicht unbegründete Haltung. Und doch muss man dem entgegenhalten, dass das Fundraising eine besondere moralische Instanz darstellt. Durch das Einwerben von Spendengeldern für soziale Zwecke steht der Fundraiser im Mittelpunkt moralischer Maßstäbe und muss sich an ihnen messen lassen. In den fünf universalen Prinzipien (festgelegt auf dem vierten International Fundraising Summit am 16. Oktober 2006 in Noordwijkerhout) steht unter dem Punkt Integrität: „Fundraiser handeln offen und sind sich ihrer Verantwortung für öffentliches Vertrauen bewusst. Sie decken aktuelle oder potentielle Interessenkonflikte auf und vermeiden persönliche oder professionelle Verfehlungen.“ Es ist schwer dieser Verantwortung gerecht zu werden, bei einer Fragestellung, die philosophische Ausmaße annimmt und auf die es keine eindeutige Antwort geben kann. Einzig die kontroverse Auseinandersetzung und der offene Umgang mit der Thematik könnten einen Weg darstellen. Die Frage nach der Herkunft der Spenden bewusst zuzulassen und für sich und die Einrichtung die bestmögliche Antwort und Entscheidung zu finden – das sollte unsere Aufgabe sein.

 

In diesem Sinne